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Zur Eröffnung am Montag, den 06. Mai, fanden sich allerlei Prominente in der Turnhalle der Johann-Jakob-Herkomer-Realschule ein, angeführt vom Schirmherren der Veranstaltung Christoph Süß (Bildmitte, mit Cornelia Kolb-Knauer, Andreas Erl, Sabine Schmid, Gunter Schulze-Fröhlich, v.r.n.l.).

Eingebettet in ein buntes Rahmenprogramm aus Band-, Chor- und Theatereinlagen von Schülerinnen und Schülern der gastgebenden Schule fanden die Begrüßungsreden viel Beifall.

KHuberDer Schulleiter Andreas Erl hieß die vielen Gäste willkommen und wies darauf hin, dass eine Schule ohne Theater eine ungenutzte Chance sei. Außerdem bedankte er sich bei allen großen und kleinen Sponsoren, ohne deren tatkräftige Unterstützung die Durchführung des Festivals nicht möglich gewesen wäre. Der Füssener Bürgermeister Paul Iacob freute sich, die Gäste„am schönsten Fleck der Welt“ mit den Worten begrüßen zu dürfen, dassalle Menschen irgendwie Theaterspieler seien und dass Theater pure Verführung ist. Landrat Johann Fleschhut sieht die der Schule vom Landratsamt gesponserte Bühne als nachhaltige Investition in die Zukunft, denn Theater sei „Lernen für’s Leben“.

Nachdem der Vertreter des Kultusministeriums,Ministerialrat Konrad Huber, die freundlichen Grüße des Kultusministers Dr. Ludwig Spänlebestellt hatte, lobte er die Arbeit der Fördergemeinschaft für Schultheater an Realschulen in Bayern (FSR), der es seit 1984 jährlich gelingt, eine Schule als Austragungsort für die Theatertage zu gewinnen und so den bayerischen Schülern eine Plattform zu bieten, auf der sie ihr theatrales Können präsentieren dürfen. Theaterarbeit stellte er als wichtigen Bestandteil des Schullebens heraus, in dem projektbezogenes, fächerübergreifendes, ganzheitliches und handlungsorientiertes Lernen ermöglicht wird.

CSuessMit den Worten „Authentizität im Theater ist, dass man so gut spielt, dass man es selber glaubt“ definierte der Schirmherr Christoph Süß seine Auffassung von gutem Theaterspiel. Er fasste auch die Nützlichkeit des Schultheaters mit dessen Fähigkeit zur Teambildung und Präsentationskompetenz zusammen.Allerdings fragte er danach, ob eben diese unbestrittene Nützlichkeit nicht hinter der Tatsache zurücktrete, dass „Theater einfach nur cool“ ist.

Alle Ehrengäste bedankten sich bei den Sponsoren der Theatertage, dem Organisationsteamund der gesamten Schulfamilie sowie natürlich allen auftretenden Theatergruppen und derenSpielleiterInnen.

Dann war es endlich so weit: Die 1. Vorsitzende der FSR, Cornelia Kolb-Knauer, betrat die Bühne, begrüßte die acht aus Bayern angereisten Theatergruppen der RealschulenRehau, Fürstenfeldbruck, Bad Kötzting, Aschaffenburg, Weilheim, Wasserburg, Geretsried, Weißenburgund natürlich auch die der gastgebenden Schuleund sprach den Satz, den allesehnsüchtig erwartet hatten: "Hiermit eröffne ich die 29. Theatertage an der Realschule Füssen!" Gespannt blieben alle Gäste in der Turnhalle sitzen, um das erste Stück zu bestaunen.

FuessenDie gastgebende Schule aus Füssen unter der Leitung von Sabine Schmid schaffte mit ihrem "Immer dieses Theater!" den Spagat zwischen einer perfekten Fortsetzung des Rahmenprogramms der vorangegangenen Reden und einem eigenständigen Stück, das seinem Titel alle Ehre machte. Mit einheitlichem Kostüm, bestehend aus weißer Kleidung und schwarzer Krawatte, zeigten die Füssener jede Facette der Theaterarbeit mit seinen ganzen gruppendynamischen Vorgängen. Mit selbst gesungenen Liedern wie "Theater, Theater" und "The blower’sdaughter" wurde die Rollenfindung, die Stückauswahl, die obligatorische Liebesszene und letztlich die Vorbereitung der Aufführung wunderbar untermalt, so dass die kraftvollen Bilder ihre ganze Stärke und ihre beeindruckende Wirkung entfalten konnten. Mit der ernst gemeinten Warnung ans Publikum "Augen auf, wir kommen!" endete dieser gelungene Auftakt zu den eigenen Theatertagen, denn das begeisterte Publikum machte die Augen auf und applaudierte einer Truppe, die so richtig gut angekommen war.

Nach dem Eröffnungsstück lud die Schule zum VIP- Empfang für die Ehrengäste, dermit seinen Häppchen und Kanapees, vorbereitet von der Schule, ein kulinarisches Highlight darstellte. Die Spielleiterinfo mit den wichtigsten Punkten zu den kommenden Tagen und der "RundeTisch" für die Newcomer fanden nach dem Abendessen statt.

RehauDen ersten Tag des Festivals beschloss die Markgraf-Friedrich-Realschule aus Rehau mit "Rotkäppchen 2.0". Unter der Regie von Sandra Kuhmann und Nelli Mai begegnete Rotkäppchen auf ihrem Weg zur Großmutter  vielen aus anderen Märchen bekannten Figuren und besiegt am Ende den bösen Wolf. Einfache Bretter dienten als Requisiten, die unterstützt durch passendes Lichtspiel die verschiedenen Szenenhintergründe darstellten. Die Gruppe zeigte eine Eigenproduktion, die deutlich machte, dass weniger manchmal mehr sein kann. Mit knappen, reduzierten Textfragmenten gelang es den Schauspielern, ihr Publikum mit auf die Reise zu nehmen. Ein besonderes Highlight der Produktion war die Geräuschtheke, an der knackende Äste oder knisterndes Feuer nachgeahmt wurden.

FFBDer Dienstag begann mit der Aufführung der Ferdinand-Miller-Realschule aus Fürstenfeldbruck. Unter der Leitung von Eva Faderl und Dani Winter bekam das Publikum eine selbstgestaltete Version des Boulevarddauerbrenners „Pension Schöller“ zu sehen: „Zur Klapp(s)rothmühle". Das wunderschöne und aufwändig gestaltete Bühnenbild wurde bevölkert von allerlei skurrilen Pensionsgästen, die der angebliche Psychologiestudent Robert Klapproth kurzerhand zu Insassen eines Sanatoriums um deklarierte, um von seinem reichen Onkel weiterhin seine vermeintlichen Studien finanziert zu bekommen. Da diese „Insassen“ davon keine Ahnung hatten, kam es zu lustigen Verwechslungen. Die Frage nach "normal" und "verrückt" wurde mit viel Situationskomik und Wortwitz in den Raum gestellt. Unterstützt wurde die Szene von einem selbstkomponierten Lied und einer Tanzeinlage.

BadKoetztingGleich danach beantwortete die Theatergruppe aus Bad Kötzting unter der Regie von Juliane Jehlicka mit ihrer "Überdosis G'fühl" sämtliche Fragen zur Romantik der heutigen Jugend. Auf der Grundidee von Romeo und Julia verliebten sich hier ein 16-jähriger Hauptschüler und eine 19-jährige Gymnasiastin. Die daraus resultierenden Probleme innerhalb der Freundeskreise, der Familien bis hin zum verständnislosen Psychiater wurden ausagiert. Nicht nur die Eltern unternahmenalles Mögliche, um die beiden von ihrem Unglück zu überzeugen, auch die Freunde der beiden versuchten in einer Szene über Cybermobbing einen Keil zwischen sie zu treiben. Sprachlich war das Stück teilweise direkt, wenn nicht sogar derb, was bestimmt auch dem oberpfälzer Dialekt geschuldet war.

Nach dem Mittagessen wurden für die mitwirkenden Schüler Workshops von angereisten Profis zu verschiedenen Teilgebieten des Theaters angeboten, die diese begeistert wahrnahmen. Währenddessen fand die Jahreshauptversammlung der FSR statt.Wir freuten uns sehr, dass diesmalauch Herr Jakob Pritscher vom BRLV den Weg zu uns fand und uns - wie jedes Jahr - finanzielle Unterstützung für das Festival zusagte. Haupttagesordnungspunkt der Versammlung war dieses Jahr die Wahl eines neuen Vorstandes. Cornelia Kolb-Knauer gab nach acht Jahren das Amt der ersten Vorsitzenden ab und übergab FSRVorstand13dieses an Sabine Schmid, der Wolfram Janner auf den Posten des zweiten Vorstandes nachfolgte.Damit einher ging eine Umstrukturierung des Vorstands mit teilweise neu verteilten Aufgabenbereichen. So gibt es im erweiterten Vorstand zwei neue Posten: einen Festivalmanager, der die Schulen bei der Ausrichtung und Planung der Theatertage unterstützen wird und einen, der für Fortbildungen zuständig ist. Im Bild ist der geschäftsführende Vorstand der FSR zu sehen (v.l.n.r: Eva Wachslander – Kassier, Sabine Schmid – 1. Vorsitzende, Wolfram Janner – 2. Vorsitzende, Anina Wisniewski - Schriftführerin)

AschaffenburgAm späten Nachmittag des Dienstag vollführte dann die Staatliche Realschule für Knaben Aschaffenburg unter der Leitung von Sigi Staab mit "McBess" einen wilden Ritt durch die schottischen Highlands. Nach einer Weissagung der drei Hexen soll McBess  König werden, sein Freund Banquo angeblich der Vater von vielen späteren Königen. Nachdem sich der erste Teil der Prophezeiung bewahrheitet hat und McBess der neue König ward, soll nun sein Freund Banquo aus dem Weg geräumt werden.Nach dessen Tod beschließen die drei Hexen, McBess in den Wahnsinn zu treiben; dafür erscheinen sie in den Rollen des ermordeten Königs und Banquo. Nachdem McBess als Mörder entlarvt wird, töten die Lords diesen. Das Stück wartet mit einem überraschenden Ende auf: die Hexen bleiben in ihren Rollen und regieren Schottland bis heute. Die recht klassische Handlung wurde auf witzige Weise durch Musik- und Playbackeinlagen aufgepeppt. Die Aschaffenburger Jungs verwöhnten ihr Publikum wie gewohnt durch eine kurzweile Präsentation mit viel Klamauk und exakter Körperarbeit.

WeilheimDer Tag endete mit einem weiteren Höhepunkt: Die Drama Group der Staatlichen Realschule Weilheim präsentierte ihren „Oliver Twist“. Unter der Leitung von Sabine Junkers-Haunstetter hatten die Schülerinnen und Schüler das komplette Stück in englischer Sprache einstudiert. Die Handlung basiert auf der klassischen Geschichte von Oliver Twist. Zu Beginn findet sich das Publikum in einem Waisenhaus in England wieder. Mithilfe stimmungsvoller Musik und chorischem Sprechen der Eröffnungsworte wird der Zuschauer von Beginn an gefesselt. EingeblendeteFilmelementen á la Blair Witch Projektverdeutlichen Twists Flucht.Das schlichte Bühnenbild besteht nur aus einem Holztisch, der verschiedentlich exakt bespielt wird. Die Schüler dieser Gruppe  zeigten ein gutes Zusammenspiel, Präsenz und exaktes Spiel, insgesamt wurden vor allem synchrone Szenen durch stimmungsvolle, passende Musik unterstützt.

Am Abend durften sich Gäste und Gastgeber dann noch einmal richtig freuen: im Keller der Schule fand die Disco statt, bei der ein professioneller DJ Musik auflegte und den Schülerinnen und Schülern so richtig einheizte.

WasserburgDer dritte und leider bereits letzte Tag des Festivals wurde von der Theatergruppe der Staatlichen Realschule Wasserburg unter der Leitung von  Torsten Träger und Bärbel Kraus begonnen. Mit dem eigens für sie geschriebenen Stück „Der Brandner Kasper“ zeigten sie der versammelten Gemeinde, dass diese Gruppe keine Probleme damit hat, lange Texte im Dialekt zu lernen.Die Schauspieler spielten in Tracht vor einem sehr minimalistisches Bühnenbild. Hierbei zeigten aber alle Darsteller gute Bühnenpräsenz. Der Inhalt ist bekannt: Bei einer Jagdgesellschaft schießt der Veit aus Versehen auf seinen Freund, den Brandner. Daraufhin willder Boandl den Kaspar holen, verliert aber beim Kartenspiel, so dass der Kaspar noch 16 weitere Lebensjahre erhält. Anstelle des Brandner stirbt die Sophie 50 Jahre zu früh, woraufhin der Betrug im Himmel entdeckt wird.Der Boandl soll sein Versagen wieder gut machen und den Kasper holen. Der Kasper, des Lebens langsam überdrüssig, weil er in der Wahrnehmung seiner Mitmenschen immer mehr verblasst, lässt sich vom Boandl einen Blick ins Paradies zeigen. Daraufhin entschließt er sich, dort zu bleiben.

GeretsriedIm Anschluss daran begleitete uns die Theatergruppe der Staatlichen Realschule Geretsried unter der Leitung von Marcella Ide-Schweikart „ … auf dem Weg in das Land von Morgen“.Analog zum kleinen Prinzen durften die Zuschauer hier eine kleine Prinzessin auf ihrer Reise durch verschiedene Länder begleiten, die die menschlichen Schwächen aus Kindersicht zeigen. Auf der Suche nach dem Land von Morgen bereist die Prinzessin so das Land des Rechts/Unrechts, das Land der Waffen, das Land der Rosen/ des Spiels, das Land des Geldes, eine Zeitfabrik, das Land des Vergessens und eine Traumhandlung, die Träume verkauft, um die traurigen Menschen wieder glücklich zu machen, da die eigenen Träume verloren sind. Hierbei zeigte sich eine interessante, ausgewogene Choreographie, die unterstützt wurde von einer Percussiongruppe (Leitung: Martin Wiesböck) und medialen Elementen.

WeissenburgZum Ausklang zeigte uns die Theatergruppe der Staatlichen Realschule Weißenburg unterihren SpielleiterinnenEva Hummel und Tanja Kral (unterstützt durch Dorothe Riehm und Jochen Kretschmann) ein Stück über die Auswirkungen des Massentourismus in bayerischen Regionen. Die Eigenproduktion „Isdahamdaham?“ hatte einThema, das alle kennen: regionale Ursprünglichkeit gegenüber wirtschaftlichen Interessen... Als zentrales Element fanden sich zu Beginn des Stückes gestapelte Stühle auf der Bühne, deren Anordnung durch die einfallenden Touristen immer wieder demontiert wurde. Die „Homies“ dagegen versuchten verzweifelt, die Stühle wieder auf altgewohnte Weise zu montieren. Die heimelige „Stubenatmosphäre“ wird ständig durch die herbeistürmenden Touris gestört, Traditionen gehen zugunsten wirtschaftlichen Denkens verloren.  Zielgerichtete Bewegungen, exaktes Spiel, synchrone und chorische Elemente und die Einbeziehung von zyklischen Elementen machten diese Darstellung zu einem gekonnten Anschluss des dreitägigen Festivals.

In der sich anschließenden Verabschiedungsfeier dankte die ehemalige Vorsitzende der FSR, Cornelia Kolb-Knauer, noch einmal allen Helfern, die zum Gelingen der 29. Theatertage beigetragen hatten,allen voran dem Füssener Organisationsteam unter der Leitung von Sabine Schmid und Doris Asmanoglo.

VerabschiedungDas Banner der Schultheatertage wurde vom Füssener Schulleiter Andreas Erl an den Direktor Peter Adam(2. von links)von der Realschule Kaufering weiter gegeben.Dieser lud bereits jetzt herzlich zu den 30. Theatertagen der Realschulen in Bayern ein,die vom 26. bis 28. Mai 2014 an der Staatlichen Realschule in Kaufering stattfinden werden.

Insgesamt können die FSR und die ausrichtende Füssener Realschule zufrieden sein: DasFeedback der Spielleiter zu den Theatertagen war äußerst positiv. Und besonders diestrahlenden, wenn auch etwas müden Kinder und Jugendlichen zeugten vom Gelingen desFestivals.

Anina Wisniewski, Mike Deppisch