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Vor allem lobte er die Teamarbeit an seiner Schule zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, die zur Bewältigung der organisatorischen Arbeiten im Vorfeld der Theatertage erbracht worden war. Insbesondere die langjährige Erfahrung und planerische Unterstützung durch die Fördergemeinschaft für das Schultheater an Realschulen in Bayern e.V. (FSR) habe ihm und seinem Organisationsteam in vielen Bereichen außerordentlich geholfen.

PK2014Ministerialrat Konrad Huber MPhil stellte in seiner Rede besonders die nachhaltige Arbeit der FSR heraus, die mit den Theatertagen bereits seit 1984 „wie eine fulminante Road-Show“ auf Tour in ganz Bayern ist und zum 30. Geburtstag ihre Zelte in Kaufering aufgeschlagen hat. Darüber hinaus lobte er die Nachwuchsarbeit der FSR, welche jährlich über 200 Referendare zu Theaterlehrern ausbildet. Er übermittelte auch die freundlichen Grüße des Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle, der in seinen Grußworten die Bedeutung der Arbeit der FSR hervorhob und betonte, dass sowohl die Theaterlehrerausbildung als auch die Ausbildung von Referendaren hinsichtlich Schultheater und szenischem Lernen ein Alleinstelltungsmerkmal und Aushängeschild der Realschulen in Bayern sei.

KobrundKluepfelAnschließend überlegten die Schirmherren Kobr und Klüpfel in ihrer Rede, welche Aufgaben eine Schirmherrschaft mit sich bringe. Sie kamen zu dem Schluss, dass es nicht so wichtig sei, die Ehrengäste und Sponsoren zu begrüßen, sondern vielmehr die mitwirkenden Schüler und die im Hintergrund agierenden Helfer des Festivals ins Rampenlicht zu stellen.

Schultheater sei für sie die wichtigste Sache der Welt und bereite wie kein anderes Fach auf das Leben vor, indem man lerne, Kenntnisse vorzuspielen, die man eventuell gar nicht besitze.

Bevor die Vorsitzende der FSR Sabine Schmid alle teilnehmenden Schulen begrüßte und die Schultheatertage für eröffnet erklärte, verwies sie auf den 30. Geburtstag der FSR und beschrieb die ersten Theatertage der bayersichen Realschulen. Sie waren „improvisiert, mit Schwächen, vielleicht sogar ein bisschen chaotisch, man habe aber viel Herzblut investiert und sie seien aus tiefster Überzeugung heraus entstanden. Heute freut sich die FSR über 230 Mitglieder, die FSR ist professionell geworden: TheaterlehrerInnen mit jahrzehntelanger Erfahrung, TheaterlehrerInnen mit Zertifikat, TheaterlehrerInnen mit Staatsexamen im Schultheater machen nicht Schulspiel. Nein, sie unterrichten das Fach Schultheater!“

Eingebettet wurden die Eröffnungsreden in ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm: Musikstücke von rockig bis traditionell bot das Schülerblasorchester, bestehend aus Musikern der Realschulen Kaufering, Landsberg und Schongau sowie der FOS Landsberg. Die Sportgruppe Bewegungskünste beeindruckte die Zuschauer mit Jonglage und Akrobatikeinlagen.

FriedbergDen ersten Festivalbeitrag zeigte die Theatergruppe der Konradin-Realschule Friedberg unter der Leitung von Cornelia Kolb-Knauer mit ihrem Stück „Trotzdem ich2“. Es entstand zur 750-Jahr-Feier der Stadt Friedberg, zum Neubau und 50. Jubiläum der Schule und beleuchtete mit Mitteln des Bewegungstheaters skuril und unterhaltsam den Schulalltag aus Schülersicht mit all seinen Höhen und Tiefen in einer lockeren Szenencollage. Aufstehen, Morgentoilette, Schule.

Friedberg2In beeindruckenden Bildern und schöner Rhythmisierung wurde der alltägliche Unterricht dargestellt, in welchem dem Schüler seine Individualiät genommen wird. Am Ende rebelliert er mit den Worten: „Ich will nicht sein, wie ihr mich wollt!“

Die schauspielerische Präsenz der Gruppe war aufgrund der perfekten Körperspannung aller Darsteller während der gesamten Darbietung bis in die letzten Reihen zu spüren. In mehreren Szenen wurden verschiedene Emotionen und Stimmungen eindrucksvoll und greifbar herausgearbeitet. Starke Leistung!

WeissenburgDie Staatliche Realschule Weißenburg unter der Leitung von Eva Hummel, Dorothe Riehm und Kristin Künzinger zeigte anschließend die Eigenproduktion Sandmann, lieber Sandmann mit Motiven aus E.T.A. Hoffmanns Nachtgeschichten. Weissenburg2Es ist Abend. Vor dem Zubettgehen spielen die Kinder ausgelassen mit ihrer neuen Puppe Olimpia. Die Farben Schwarz, Weiß und Rot bestimmten das ästhetisch reduzierte Bühnenbild. Eingeleitet durch den düsteren Auftritt des Sandmanns gelang es der Gruppe eine gruselige, alptraumhafte Atmospähre zu schaffen, welche durch ausdrucksstarke Musik verstärkt wurde. Beeindruckend waren die Puppen-Darstellerinnen, die gleichermaßen hilflose Zerbrechlichkeit sowie Grauen verkörperten. Wunderschön und zugleich Gänsehaut-Feeling!

MemmingenDer nächste Morgen begann mit einem besonderen Schmankerl der Theaterkunst. Die Schüler der Staatlichen Realschule Memmingen präsentierten unter der Leitung von Sepp Vodermeier eine gelungene Kombination aus Marionettentheater und personalem Spiel StaRS MM sucht das Rumpelstilzchen. Vor einer liebevoll gestalteten Kulisse wurde ein Casting verschiedener Rumpelstilzchen-Kandidaten durchgeführt. Memmingen2Durch die Interaktion von ausdrucksstark gefertigten Figuren mit realen Spielern konnte die Gruppe überraschende Effekte erzeugen. Dieser bewusste Bruch ließ die Marionetten umso lebendiger erscheinen und zog die Zuschauer in ihren Bann. Sehr beachtlich war, dass die Stimmen live und mit Dialektfärbung gesprochen und nicht vom Band eingespielt wurden. Sepp Vodermeier bewies, dass sich traditionelles Marionettentheater auch gut mit dem Einsatz von modernen Medien kombinieren lässt, indem er das Rumpelstilzchen in einem Kurzfilm um das Feuer hüpfend zeigte, wobei es seinen Namen verriet. Nach dem Stück besichtigten einige Schüler aus dem Publikum die Bühne, zeigten sich sehr interessiert an der Bühnenkonstruktion und ließen sich das präzise Führen der Marionetten erklären. Applaus!

ZusmarshausenGleich im Anschluss präsentierte die Staatliche Realschule Zusmarshausen die Eigenproduktion Liebe & Kabale, frei nach Friedrich Schillers bürgerlichem Trauerspiel. Die neu formierte und sehr junge Truppe stellte mit ihrem Spielleiter Stefan Friedrichs die Frage „Weißt du, was Liebe ist?“ an den Anfang ihres Stückes. Motive wie Vorurteile, Intrigen, Missgunst und Willkür wurden anhand der Beziehung von Luise und Ferdinand umgesetzt. Bravourös meisterten die Schüler die Bewältigung der anspruchsvollen Textvorlage.Im weiteren Verlauf des Stückes begeisterten die überwiegend noch sehr jungen Schauspieler durch ihre Spontaneität und große Spielfreude. Respekt vor der Gesamtleistung der Truppe!


 

Bayreuth

Der Titel Traum. Ich. Erde. enthält alles, was man über das Stück wissen muss. In einer Collage aus eigenen Texten, begleitet von selbst geschriebener Musik, zeigten die Schülerinnen der Johannes-Kepler-Realschule Bayreuth mit ihrer Spielleiterein Renate Stieber, dass ihnen Träume wichtig sind und sie diese auch verwirklichen wollen. Bayreuth2Auch wenn es immer die gleichen Träume zu sein scheinen, sind sie doch für jeden Menschen etwas Eigenes. Weiße Papphocker, die eine unterschiedliche Bedeutung transportierten - Stuhl, Koffer, Wunschort - bestimmten das Bühnenbild. Empfangen wurden die Zuschauer mit verträumter Gitarrenmusik, Seifenblasen und Wortprojektionen zum Thema Träumen. Auf eine Personalisierung der Träume wurde bewusst verzichtet, um allen Zuschauern Spielraum für eigene Gedanken zu eröffnen. Diese Schlichtheit und die fließenden Übergänge zwischen den einzelnen Szenen trugen zum insgesamt meditativen Charakter des Stückes bei. Ein tolles Gefühlsaquarell!

Dienstagnachmittags fanden für zwei Stunden Workshops für alle teilnehmenden Theater-Kids statt. Das Angebot war sehr groß und reichte von Site Specific Theatre über Modern Dance, Rhythmus und Bewegung bis hin zu Pantomime, Improvisation und Technik, um nur ein paar von den angebotenen Workshops, die von Profis geleitet werden, zu nennen.

Beendet wurde der Dienstag mit der Feier zum 30. Geburtstag der FSR, während die Theaterschüler in der Aula ausgelassen in der Disco feierten. Die Realschule Kaufering hatte es sich auch nicht nehmen lassen, als Geschenk einen Sektempfang und als Krönung ein Feuerwerk für alle in den nächtlichen Himmel zu zaubern – zur Freude der ca. 300 Staunenden.

KauferingAm Mittwoch Vormittag präsentierten die Gastgeber, die Staatliche Realschule Kaufering, ihre Eigenproduktion mit dem Titel Bevor ich sterbe unter Anleitung der beiden Spielleiterinnen Beate Moegelin und Sabrina Walgenbach. In Anlehnung an eine Film- bzw. Buchvorlage erarbeiteten sie mit Schülerinnen der 9. Jahrgangsstufe die Bühnenfassung.

Sie handelt von dem Mädchen Tessa, welches unheilbar an Blutkrebs erkrankt. Nach anfänglicher Verzweiflung und Ratlosigkeit beschließt die 16-Jährige, ihr Leben in vollen Zügen zu genießen, indem sie sich ihre langgehegten Wünsche und Träume zu erfüllen sucht. Die Kauferinger Theatergruppe überzeugte durch ihre große Spielfreude.

RehauDas Stück Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein der Markgraf-Friedrich-Realschule Rehau beschloss unter der Leitung von Sandra Kuhmann und Eva Müller am Mittwoch Nachmittag das Festival mit einem weitere Highlight. Die 21-köpfige Theatergruppe erarbeitete dieses Jahr ein eher unbekanntes grimmsches Märchen und beschäftigte sich mit den Themen Anderssein, Neid, Mobbing und Vergebung. Zweiäuglein, ausgestoßen aufgrund seines normalen Aussehens, erhält Hilfe von Feen, die sich ihrer erbarmen, was dazu führt, dass sie am Ende einem Prinzen begegnet, der sie mit auf sein Schloss nimmt, wo beide ein glückliches Leben führen. Völlig verarmt tauchen am Ende des Stücks ihre Mutter und ihre Schestern auf, die auf Zweiäugleins Vergebung hoffen. Abschließend wird das Publikum in die Pflicht genommen, indem die Theatergruppe geschlossen die Frage an die Zuschauer stellt: „Wie hättet ihr wohl in dieser Situation gehandelt?“ Pulkszenen und Publikumsbeschimpfungen wechselten sich mit leisen, teils melancholischen Szenen ab. Ein Erzähler aus dem Off trieb den Plot voran. Kurze Dialoge, chorisch gesprochene Satzfragmente und selbstkomponierte Melodien unterstützten das theatrale Spiel. Kompliment und ein äußerst würdiger Abschluss der Theatertage!

In der sich anschließenden Verabschiedung dankte die Vorsitzende der FSR, Sabine Schmid, noch einmal allen Helfern, die zum Gelingen der 30. Theatertage beigetragen hatten, allen voran dem Kauferinger Organisationsteam unter der Leitung von Anina Wisniewski, Johanna Engelbrecht und Kerstin Sorger, die dafür sorgten, dass das Festival unaufgeregt und problemlos vonstatten ging.

Das Banner der FSR wurde anschließend von RSD Peter Adam von der Realschule Kaufering an die Spielleiterin Sandra Kuhmannn von der Realschule Rehau überreicht, die schon mit einem vierköpfigen Beobachterteam angereist war, um Eindrücke zu sammeln und Anregungen mit nach Hause zu nehmen. Sie lud herzlich zu den 31. Theatertagen der Realschulen in Bayern ein, die vom 11. – 13. Mai 2015 in Rehau stattfinden werden.

Auch in diesem Jahr zeigten die Theatertage, dass an bayerischen Realschulen Theater auf hohem Niveau dargeboten wird. Einige der Inszenierungen brauchen den Vergleich mit Inszenierungen von Theaterprofis nicht scheuen und bieten damit allen Beteiligten immer wieder einen Ansporn dahingehend, dass anspruchsvolle künstlerische Arbeit im Schultheater möglich ist. Deshalb hat sich der Besuch der Theatertage in Kaufering für alle beteiligten Gruppen, aber auch für alle angereisten Schauspiellehrer in allen Belangen gelohnt. Allein der Austausch mit den Kollegen, den Theaterschülern und –lehrern wird dafür sorgen, dass das Niveau auch in den nächsten Jahren von hoher Qualität sein wird.

Insgesamt erwiesen sich die Jubiläumstage in Kaufering als echtes Theater-„Fest“. Es war ein Genuss für alle Beteiligten gemeinsam Theater erleben zu dürfen, wobei sich auch dieses Jahr wieder zeigte, dass das Projekt „Theatertage“ sowohl bei den Schauspieler/innen als auch bei der großen Schulfamilie in Kaufering bleibende positive Eindrücke hinterließ.

Der Vorstand der FSR sagt „DANKE“ für dieses gelungene Theaterfestival, bedankt sich an dieser Stelle auch nochmals für die Unterstützung des BRLV und freut sich schon jetzt auf viele Anmeldungen für das Jahr 2015 – wenn es wieder heißt: Vorhang auf für die Theatergruppen der Realschulen in Bayern!

Doris Asmanoglo und Gudrun Lorenz